Teilzeitstellen für Männer – wo stehen wir heute?

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Bei immer mehr Männern kommt der Wunsch auf, weniger zu arbeiten und mehr Zeit für ihre Freunde und Familie, ihre Freizeitaktivitäten und ihre persönlichen Bedürfnisse zu haben. Sie möchten eine ausgewogene “Work-Life-Balance” erreichen – darunter versteht sich der Einklang von Berufs- und Privatleben. Bemerkenswert ist der stetige Zuwachs von Vätern, die im Vergleich zu früheren Generationen verstärkt Erziehungs- und Betreuungsaufgaben wahrnehmen wollen. Sie möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und an ihrem Leben teilhaben. Darüber hinaus besteht der Wunsch, Haus- und Familienarbeit partnerschaftlich zu teilen, da sich auch das traditionelle Rollenbild der “Hausfrau und Mutter” gewandelt hat. Heutzutage ist es üblich, dass beide Partner einer Beschäftigung nachgehen. Entsprechend müssen hier neue Wege gefunden werden, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Von Daniele Bardaro, Gründer Nexaria I 4 Minuten Lesezeit

Ein sich veränderndes Rollenbild

Dieser Trend spiegelt sich auch an der Anzahl von Familien wider, in welchen der Familienvater der “Alleinernährer” ist. Im Jahre 2000 war die klassische Rollenverteilung noch in über 40 Prozent aller Schweizer Haushalte vorzufinden, heute ist dies nur noch in 26,7 Prozent der Familien der Fall. Umso problematischer ist es, dass sich die Wünsche und Bedürfnisse vieler Männer noch immer stark von der heutigen Wirklichkeit und der Situation auf dem Arbeitsmarkt unterscheiden. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und klassischen Rollenverständnisse, die in vielen Firmen immer noch vorherrschen, machen es nicht einfacher. Hier sollte ein Umdenken stattfinden, weg von der Annahme, dass der Mann immer noch der “Haupternährer” ist. Denn Fakt ist, dass bereits heute mehr Frauen als Männer die Matura absolvieren und sie zudem tendenziell die besseren Studienabschlüsse erzielen. Der Wunsch der Frau, sich beruflich zu verwirklichen und Karriere zu machen, wächst gleichermassen wie das Bedürfnis der Männer, mehr Zeit für die Familie zu haben. Die Frau von Morgen wird zu einem unverzichtbaren Potenzial auf dem Arbeitsmarkt und die Rolle der Frau in Bezug auf die Familie wird sich stark verändern. Deshalb gehört die Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf seit Jahren zu den familienpolitischen Prioritäten vieler Bevölkerungsgruppen. Alleine diese Veränderungen sprechen dafür, dass man aufgeschlossener gegenüber Teilzeitarbeit sein sollte und insbesondere den Männern den Zugang dazu erleichtern sollte.

Teilzeit in Zahlen

Das Thema Teilzeitarbeit für Männer hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und die allgemeine Situation ändert sich langsam. So haben laut dem Bundesamt für Statistik im Jahre 1993 nur 8% aller arbeitenden Männer in der Schweiz Teilzeit gearbeitet. 2003 waren es bereits 11%, 2013 gingen 14,3% einer reduzierten Arbeit nach und 2017 waren es bereits 17,5%.  Bei den Frauen hat sich der Anteil von 59% seit Anfang des Jahrzehnts stabilisiert.

Wenige Männer nutzen die Gelegenheit der Teilzeit. Die Angst vor dem Karriereknick ist zu gross

Trotz dieses Trends haben noch immer viele Männer Angst, ihren Wunsch Teilzeit zu arbeiten in die Realität umzusetzen. Ein Grund hierfür ist das geringere Einkommen und die Frage nach der Rente. Berechnungen zeigen jedoch, dass die finanziellen Einbussen durch Teilzeitarbeit deutlich geringer ausfallen, als viele annehmen. Zwar sinkt das Bruttoeinkommen auf den ersten Blick stark, aber dank eines sich oftmals ändernden Steuersatz sinkt das Nettoeinkommen deutlich geringer. Dies gilt insbesondere für die vollzeitnahen Teilzeitmodellen, bei denen das Arbeitspensum um maximal 20 Prozent reduziert wird.

Angst vor dem Karriereknick

Ein weiterer Punkt der viele abschreckt ist, dass noch heute für viele Männer ein Beginn von Teilzeitarbeit oder ein längerer Vaterschaftsurlaub als das Ende der Karriere angesehen wird. Es bieten zwar immer mehr Firmen einen unbezahlten Vaterschaftsurlaub an, genutzt wird dieser jedoch nur sehr selten. So berichtet Helena Drachsel, Head of Diversity bei Swiss-Re, in einem Artikel für die Job-Website monster.ch, dass sie sich nur an einen einzigen Vater erinnern kann, der den verlängerten Vaterschaftsurlaub in Anspruch genommen hat. Dies verdeutlicht, dass die Angst vor dem Karriereknick durch Teilzeitarbeit oder Vaterschaftsurlaub in vielen Köpfen noch immer zu gross ist. Allerdings verschiebt sich der Fokus bei den letzten Generationen zunehmend zu dem Wunsch, mehr vom Leben zu haben als nur die Arbeit. Auch durch den zunehmenden Fachkräftemangel wird sich die Angst vor einem Karriereknick verringern.

Firmen und Teilzeit

Ein grosser Faktor gegen mehr Teilzeitstellen für Männer ist auf der Unternehmensseite zu finden. In vielen Unternehmen haben momentan noch die “60 plus” das Sagen und für viele ist Teilzeit für Männer nach wie vor unvorstellbar und damit ungewollt. Dazu kommt, dass in der Schweiz 99% aller Firmen zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gehören, die zwei Drittel aller Arbeitsplätze in der Schweiz stellen. Viele kleinere Betriebe fühlen sich bei der Forderung nach Teilzeitstellen bedroht und sorgen sich vor möglichem doppeltem Personalaufwand, doppelter Administration, doppelter Kommunikation oder höheren Kosten.

Allerdings zeigen Untersuchungen aus Deutschland, dass Teilzeitangestellte eine um bis zu 17% höhere Produktivität aufweisen und zudem weniger Absenzen vorweisen. Wenn sich ein Unternehmen für das Konzept der Teilzeitarbeit öffnet, führen diese Faktoren unweigerlich zu einer höheren Motivation des Personals. Ausserdem setzt eine Firma mit einer offenen Einstellung zur Teilzeitarbeit ein positives Statement gegen aussen, insbesondere für potenzielle Bewerber, um die man immer mehr “kämpfen” muss. Letztlich kann mit Teilzeitarbeit auch die Mitarbeiterfluktuation verringert werden, die einen enormen Aufwand bedeutet und den Verlust von Geld und Wissen mit sich bringt. Kommt hinzu, dass Rekrutierungen nach Teilzeitkräften sich auch positiv auf Ihre Unternehmenskultur wirkt. 

Laut Jürg Wiler, Leiter der Schweizer Kampagne “Der Teilzeitmann”, wird sich diese Einstellungen gegenüber Teilzeitstellen für Männer aber weiter zum Positiven wandeln.

Viele Grosskonzerne haben in den letzten Jahren stark in den Bereich der Teilzeitmöglichkeiten investiert und sich verstärkt um die Vereinbarkeit von Karriere und Familie gekümmert. Einige bieten mittlerweile eine Reihe von Entlastungsmöglichkeiten an, wie beispielsweise Mutterschaftsurlaub, Vaterschaftsurlaub, Teilzeit (auch für Kader), Jobsharing, Homeoffice und Kitas sowie weitere Angebote flexibler Arbeitsmodelle wie die “vollzeitnahe Teilzeit”. Wichtig ist hierbei, dass sich diese Modelle an alle Beschäftigten gleichermassen richten und nicht nur an Eltern kleiner Kinder. So herrschen die gleichen Voraussetzungen für alle und niemand wird aufgrund seiner privaten oder familiären Situation benachteiligt.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Denkweise in Bezug auf Teilzeitarbeit in den letzten Jahren nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Personalern, deutlich geändert hat. Allerdings wird man in den meisten Personalbüros oder direkt beim Vorgesetzten noch immer auf eine negative Einstellung treffen. Laut Jürg Wiler, Leiter der Schweizer Kampagne “Der Teilzeitmann”, wird sich diese Einstellungen gegenüber Teilzeitstellen für Männer aber weiter zum Positiven wandeln. „Es gibt viele Arbeitgeber, die, wenn Männer sich danach [Teilzeitarbeit] erkundigen, glauben, dass diese nicht wirklich an ihrer Arbeit interessiert seien… was eine falsche Wahrnehmung ist.”, so Wiler. An dieser Äusserung kann man sehr gut erkennen, wie die alten Rollenbilder noch in vielen Köpfen verankert sind. Allerdings ist es als Privatperson, aber auch als Unternehmen, wichtig umzudenken. Von der Teilzeitarbeit können schliesslich nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Firmen profitieren. Denn am Ende steht das Unternehmenswohl im Vordergrund, dass durch glückliche und motivierte Mitarbeiter am besten erreicht wird.

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