Arbeitnehmer Ü50 – Was zählt? Die Fakten im Überblick.

Die Ausgangslage scheint klar: Mit über 50 Jahren eine neue Stelle zu finden sei schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Die Firmen wollen keine Mitarbeiter ab 50 Jahren mehr. Diese Arbeitnehmer seien unflexibel, nicht auf der Höhe der Zeit oder sogar unrentabel. Zum Thema Stellensuche oder Arbeitssuche mit über 50 Jahren gibt es sehr viele Meinungen, Überlegungen, Empfindungen und Missverständnisse. Doch welche davon halten der Realität stand? Was gilt für ältere Arbeitslose 50Plus oder für die Stellensuche Ü50?

Von Daniele Bardaro, Nexaria Gründer, Rekrutierungsspezialist und Job-Coach I Lesezeit 10 Minuten

Die Fakten über den Arbeitsmarkt
  • Die Erwerbstätigenquote innerhalb der Altersgruppe 50-59 Jahre liegt bei über 85%
  • Das Kündigungsrisiko in der Altersgruppe Ü50 liegt bei 31% und somit unterhalb derjenigen der Altersgruppe von 40-50 Jahren mit 42%. Das Kündigungsrisiko der Arbeitnehmenden zwischen 15 und 39 Jahren liegt bei 27%
  • Der häufigste Kündigungsgrund in der Altersgruppe Ü50 ist eine Reorganisation, gefolgt von Personalabbau, individueller Leistungsabweichungen und persönlichen Gründen
  • Die Branchen mit der höchsten Kündigungsquote von Arbeitnehmern zwischen 50 und 59 Jahren sind Banken und Versicherungen, gefolgt von Industrie und Pharma. Die wenigsten Kündigungen finden im Bereich Informatik statt
  • Arbeitslos werden in der Altersgruppe 50-59 rund 60% Männer und 40% Frauen
  • 27% der Stellensuchenden über 50 werden ausgesteuert
  • 16% der Sozialhilfebezüger sind über 55 Jahre alt

Der Beschäftigungsverteilung nach Altersgruppen im Arbeitsmarkt:

  • 15-39-jährige: 44%
  • 40-50-jährige: 26%
  • 50plus: 30%

Suchdauer bei Stellensuche nach Alter:

  • Gesamthaft 5,6 Monate
  • 15-39-jährige: 4,0 Monate
  • 40-50-jährige: 5,8 Monate
  • 50plus: 7,8 Monate

Die Suchdauer von arbeitslosen Personen Ü50

  • Bei guten Profilen rund 3,5 Monaten
  • Bis 11,2 Monaten bei schwierigeren Profilen

Lohnentwicklung bei Neuanstellung in der Altersgruppe Ü50

  • Minus 6%
Die Mythen der Ü50

Trotz all den Zahlen und Fakten halten sich einige Mythen über Arbeitnehmer ab Alter 50 hartnäckig:

Motivation: Ältere Menschen Plus50 haben weniger Motivation

Veränderung: Viele haben keine Lust auf etwas Neues und sind festgefahren

Flexibilität: Ältere Arbeitnehmer können nicht mit Jüngeren umgehen

Gesundheit: Die Ü50 sind häufiger krank

Produktivität: Ältere Arbeitnehmer über 50 Jahren sind weniger produktiv als Jüngere

Work-Life Balance: Älteren Menschen ist Freizeit wichtiger

Zu Teuer: Arbeitnehmer Ü50 kosten mehr

Die Mythen im Detail

Da Verallgemeinerungen immer schwierig sind, muss man diese Mythen im Details anschauen.

Motivation
Dies trifft auf Arbeitnehmer in allen Altersgruppen zu. Trotzdem zeigt sich gerade im höheren Alter eine grössere Motivation. Dies hat damit zu tun, dass vielfach Kompetenzen und Wissen angeeignet wurden, die wertvoll sind und gerne weitergegeben werden. Gerade nach einer Arbeitslosigkeit steigt die Motivation stark an.

Veränderung
Die Bereitschaft sich zu verändern liegt in der Altersgruppe ab 50 Jahren signifikant höher als bei der Gruppe der 40-50jährigen.  Die Bereitschaft, etwas Neues zu wagen, steigt oftmals nach der so genannten «Familienzeit» stark an. Bei Arbeitnehmern über 50 Jahren mit Kindern, welche bereits auf eigenen Beinen stehen, ist die Lust auf eine neue Herausforderung stärker.

Gesundheit
Hier gibt es zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmenden keine Unterschiede, weder bei den körperlichen Krankheiten noch bei psychischen Störungen. Das Ausfallrisiko durch Unfälle ist bei der älteren Generation jedoch etwas kleiner. Auch die demographische Entwicklung ist hier bedeutsam: Der Anteil an älteren Arbeitnehmenden steigt, ebenso die Lebenserwartung. Durch die gute Gesundheitsversorgung in der Schweiz sind diese auch länger leistungsfähiger.

Produktivität
Hier entsteht ebenfalls ein falsches Bild. Bei einem grossen Anteil der Mitarbeitenden ist die Produktivität hoch, so wie diese auch bei jüngeren Mitarbeitenden nicht generell immer hoch ist. Überraschend ist allerdings, dass die Produktivität eines Teams bei einer guten Durchmischung von Jung und Alt steigt. Unbestritten dabei ist aber, dass es Grenzen bei der Leistungsfähigkeit gibt, wenn es sich um körperlich sehr herausfordernde Arbeit handelt.

Work-Life Balance
Durch Erfahrung und andere Lebensumstände haben ältere Arbeitnehmende kaum Probleme, die Arbeit und Freizeit in Einklang zu bringen. Sie sind in der Lage, situativ Prioritäten zu setzen und eher bereit, einmal eine Periode mit erhöhtem Arbeitsaufkommen anzunehmen.

Personalkosten
Der Lohn ist immer auch Verhandlungssache. Die Berufsgruppe der über 50jährigen ist aber eher bereits, Kompromisse einzugehen als jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die zeigt sich auch darin, dass bei einem Stellenwechsel eine Lohnerhöhung nicht im Vordergrund steht, sondern der Lohn meist sogar tiefer ist. Dazu kommt, dass die Loyalität mit dem Alter steigt. Stellen nicht immer neu besetzen zu müssen ist kostengünstiger.

Die Sicht der Arbeitgeber

Trotzdem scheint es auf dem Arbeitsmarkt immer noch Vorbehalte gegenüber der Altersgruppe Ü50 zu geben, insbesondere weil Firmen klare Vorurteile bezüglich der Leistungsfähigkeit und der Kosten haben. Wieso zum Beispiel benötigen Arbeitnehmer über 50 Jahre länger, um eine neue Arbeitsstelle zu finden?

Die Sicht eines Bewerbungsdossier Ü50
Versuche haben gezeigt, dass ein Dossier eines Arbeitnehmenden ohne Angabe des Alters anders gelesen wird. Darüber hinaus wird ein Lebenslauf eines Arbeitnehmenden positiver bewertet, wenn er sich noch in einer Anstellung befindet. Dasselbe Dossier einer arbeitslosen Person wird dagegen negativer betrachtet. Da es durch alle Altersgruppen hindurch immer darum geht, zwischen der besten Fachkraft und einem weniger motivierten Kandidaten zu unterscheiden, erhöht sich natürlich der Aufwand bei der Rekrutierung einer Fachkraft. Diese aber nur alleine auf Qualifikationen und Leistungen zu reduzieren, bringt einem Arbeitgeber nicht immer die richtigen Resultate. Vielmehr geht es darum, genau zu eruieren welche Art von Arbeitnehmer tatsächlich gesucht wird. Und dann nicht nur anhand von Alter und Ausbildung zu rekrutieren, sondern auch aufgrund weiterer Faktoren.

Wo 50Plus Bewerber punkten
So sind zum Beispiel die ethischen Aspekte und Firmentreue Punkte, die für einen älteren Bewerber sprechen. Ein weiterer Punkt, der oftmals vergessen wird ist, dass Bewerber und Bewerberinnen über 50 Jahre mehrheitlich zu finanziellen Konzessionen bereit sind. Dies macht diese Altersgruppe zu interessanten Mitarbeitenden und wiederlegt die Meinung der «teuren Alten». Denn gerade die Kosten der Altersvorsorge werden mit den Zugeständnissen der Gruppe Ü50 bezüglich Lohn ausgeglichen. Dass dies nicht ausgenutzt werden darf, ist klar. Trotzdem ist auch dies ein Punkt, die Arbeitgebern echte Alternativen bei der Rekrutierung bietet.

Nur gerade 15% der Firmen in der Schweiz rekrutieren explizit auch ältere Arbeitnehmer. Dabei ist gerade die Zufriedenheit der Altersgruppe Ü50 in allen Berufsgruppen höher als bei den jüngeren Arbeitnehmern.

Kündigungen
Ein Paradoxon zeigt sich auch darin, dass zum Beispiel im Finanzsektor die meisten Kündigungen ausgesprochen werden, gerade dieser Bereich aber eine steigende Anzahl der offenen Stellen verzeichnet. Die Banken und Versicherungen in der Schweiz suchen vermehrt nach Fachkräften und können diese nicht mehr so einfach rekrutieren. Hier spielt auch die Tatsache mit, dass der Fachkräftemangel real ist und auch noch zunehmen wird. Warum also dieser Umstand?

Eine Erklärung liegt in der technologischen Entwicklung. Der Finanzsektor befindet sich mitten in einer Transition, hin zu mehr digitalen Anwendungen. Dies bedeutet, dass vermehrt andere Ausbildungen, Kompetenzen und Erfahrungen benötigt und gesucht werden. Diese Verschiebung von klassischen Arbeitsprofilen hin zu neuartigen Berufsfeldern ist nicht nur in der Finanzbranche zu sehen. Nach der industriellen Revolution ist der Übergang zur digitalen Welt noch immer in vollem Gange und wird sich auch nicht mehr verlangsamen. Diese Änderungen betreffen einen Grossteil der Arbeitnehmenden, auch in Bereichen welche nicht unmittelbar der digitalen Welt zuzuordnen sind. Natürlich gibt es immer noch Bereiche, die nur teilweise digitalisiert werden können, gerade im handwerklichen Bereich. Doch die immer stärker fortschreitende Entwicklung hin zu neuen Technologien und Anwendungen bedingt anderes Wissen und neue Kompetenzen als beispielsweise noch vor 30 Jahren. Zu jener Zeit wäre dieser Artikel auf Papier erschienen, heute wird er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal an einem PC, sondern auf einem Smartphone gelesen. Viele Anwendungen des täglichen Lebens wurden und werden doch die Technologie beeinflusst.

Wettbewerbsfähigkeit
Der «Problematik» um ältere Arbeitnehmer und den Fachkräftemangel stellen sich immer mehr Firmen. Um aber wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen vermehrt gezielt um ältere Talente werben und erfahrene Mitarbeiter langfristig an sich binden. Somit hat der Fachkräftemangel auch eine Auswirkung auf die Rekrutierung. Dennoch bleibt dieses Potenzial vielfach ungenutzt: Nur gerade 15% der Firmen in der Schweiz rekrutieren explizit auch ältere Arbeitnehmer. Dabei ist gerade die Zufriedenheit der Altersgruppe Ü50 in allen Berufsgruppen höher als bei den jüngeren Arbeitnehmern. Viele innerhalb der Altersgruppe 50plus können sich auch durchaus vorstellen, einmal über das gesetzliche Rentenalter hinaus zu arbeiten. Auch sind sie offener für alternative Beschäftigungsmodelle und öfters bereit, etwas Neues zu wagen.

Gute Durchmischung
Auch sind sich viele Unternehmen der Gefahr nicht bewusst, die eine nicht heterogene Belegschaft mit sich bringt. Eine gute Durchmischung aller Altersgruppen ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Mitarbeiterzufriedenheit. Zusammen mit Arbeitsplatzsicherheit und dem Gehalt sind dies die wichtigsten Dimensionen in der Arbeitswelt.

Akzeptanz auf beiden Seiten
Ältere Mitarbeiter legen mehr Wert auf Inhalte, Komplexität und Sinnhaftigkeit ihrer Aufgaben, während jüngeren Mitarbeitern insbesondere Orientierung durch Kollegen und Führungskräfte wichtig ist. Gerade dabei hilft die Seniorität der älteren Mitarbeiter, denen Problemlösungsfähigkeit, Kommunikation und Teamwork meist nicht fremd sind. Daher sind auch die Führungskräfte gefordert. Nur Fachwissen reicht nicht mehr aus, auch Einfühlungsvermögen, Flexibilität und andere Social Skills sind mindestens genauso wichtig. Unternehmen müssen das bei der Auswahl und Entwicklung von Führungskräften berücksichtigen. So kann es durchaus vorkommen, dass Vorgesetzte jünger sind als ein Mitarbeiter, der über 50 Jahre ist. Wenn nun ein Vorgesetzter damit nicht umgehen kann, wird es naturgemäss schwierig, ein Team entsprechend zu führen. Gute Vorgesetzte haben kein Problem mit älteren Arbeitnehmern, sondern anerkennt die Vorteile davon. Dies bedingt allerdings klare Akzeptanz auf beiden Seiten. Daher ist die Frage ob ein neuer, aber älterer Mitarbeiter sich auch führen lässt und die Dynamik grundsätzlich übereinstimmt, durchaus legitim. Im täglichen Berufsalltag ist dies aber meist kein Problem, wenn die gegenseitige Wertschätzung stimmt.

Dies ist nur einige Erklärungen, weshalb sich die Generation 50plus mit Herausforderungen konfrontiert sieht. Um nun aber die vielen Missverständnisse zu umgehen, ist Handeln nötig.

Was beutet dies nun für Arbeitnehmer, insbesondere jene über 50?

Stetiges Lernen
Stillstand bedeutet Rückschritt. Und dies hat in der heutigen Zeit resp. im Arbeitsmarkt absolut seine Berechtigung. Die Anstellung auf Lebenszeit ist heute sehr unwahrscheinlich geworden. Dies mag für Personen mit entsprechender Ausrichtung unbequem sein. Doch allen anderen Arbeitnehmern und auch Arbeitssuchenden muss bewusst sein, dass die Arbeitswelt wie auch die Stellensuche heute anders ist als noch vor einigen Jahren.

Anders gesagt
Ein Leben lang lernen. Das Lernen ist nach der Lehre oder dem Uni-Abschluss nicht fertig. Sondern das Lernen ist lebenslang zwingend nötig, um sich im Berufsumfeld behaupten zu können. Niemand, also wirklich niemand, ist davor gefeit, eines Tages eine Stelle zu verlieren. Auch wenn viele denken, dass ihnen das nicht passieren kann, weil sie ja Profis sind, die Einzigen sind welche die Aufgabe kennen oder eben sehr viel Erfahrung haben: Es kann auch sie treffen. Es müssen sich alle bewusst sein, dass all dies nicht genügt, um eine Stelle zu behalten. Dabei muss es sich nicht einmal um einen Fehler des Arbeitnehmers handeln. Auch äussere Einflüsse wie Betriebsschliessungen oder Reorganisationen können zum Stellenverlust führen. Und dann steht man mit einer sehr begrenzten oder einseitigen Ausbildung sehr schlecht da, wenn plötzlich keine neuen Einsatzmöglichkeiten im ursprünglichen Berufsfeld mehr vorhanden sind. Und wenn von negativen Umständen die Rede ist: 27% der Stellensuchenden über 50 Jahre werden ausgesteuert. Und weiter ist der Anteil an Sozialhilfebezügern ab Alter 55 bei 16%. Dies sind zwar nur Zahlen, sollen aber auch das Bewusstsein wecken, dass man früh dagegen ansteuern soll.

Daher gilt
Sich niemals auf vermeintlichen Lorbeeren ausruhen. Eine konstante Weiterentwicklung, auch mit internen und externen Weiterbildungen und das Aneignen von neuen Kompetenzen, ist unerlässlich für das Berufsleben. Denn wenn jemand in der Rekrutierung ein Dossier liest und die Spalte Weiterbildung nur 2 Linien lang ist, wird das Dossier sehr schnell beiseitegelegt. Und sicher nicht mehr angeschaut. Darüber hinaus ist auch eine starke Vernetzung sehr wichtig. Da gilt vor allem für den Fall, wenn man gekündigt wird.

Wie bei der Stellensuche für 50Plus Kandidaten vorgehen

Was tun, wenn man als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin über 50 Jahre die Kündigung erhält oder sich nach einer neuen Stelle umsehen muss? Dies kann zuerst mal ein kleines Erdbeben auslösen und vieles in Frage stellen. Dazu könnte auch eine Laufbahnberatung helfen die ersten Hürden zu nehmen. Doch danach gilt es, sich der neuen Situation zu stellen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Folgende Punkte müssen überlegt werden:

Sofort starten
Nach einer Entlassung muss umgehend mit der Stellensuche begonnen werden. Eine sofortige Stellensuche bringt wesentlich mehr Erfolg als abzuwarten. Auch wenn es verlockend erscheint sich erstmal eine Auszeit zu nehmen. Wer sich nicht sofort um die Stellensuche kümmert begibt sich eher in Gefahr, sich dem Schicksal hinzugeben und unter Umständen sogar psychische Einschränkungen zu erleiden. Daher gilt es keine Zeit zu verlieren, denn Arbeitnehmer über 50 sind leider von einer überdurchschnittlichen Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Bringen Sie Ihr CV auf dem neusten Stand oder lassen Sie Ihre Bewerbung schreiben.

Klarheit schaffen
Bei der Stellensuche kann man sich bewusst machen, wo die Schmerzgrenzen liegen könnten.

  • Wie muss der Lohn aussehen?
  • Ist man bereit Abstriche zu machen?
  • Wie viele Arbeitsstunden sind gut?
  • Ist eine Reisetätigkeit eine Option?
  • Ist ein Umzug möglich, um das pendeln zu verkürzen?

Es ist gut, wenn man sich über diese Punkte Gedanken macht, damit eine Zielrichtung bei der Stellensuche möglich ist. Jedoch sollte man immer bedenken, dass dies auch extrem einschränken kann. Eckpunkte zu setzen ist gut, aber es darf nicht aus den Augen gelassen werden dass dies auch dazu führen kann, dass man eine neue Stelle nicht annimmt und länger auf Arbeitssuche ist. Gerade bei einem nicht stimmigen Lebenslauf oder eingeschränkter Erfahrung ist dies kein ratsamer Weg.

Zuhilfenahme eines Job-Coach
Die Stellensuche Ü50 kann für Arbeitnehmer anspruchsoll werden. Die Herausforderungen sind unterschiedlich. Daher empfielt sich die Unterstützung eines Job-Coachs und Kenner des Arbeitsmarktes. Ein Mentor sowie Ideen- und Ratgeber als Begleiter zur Seite zu haben kann Ihnen den Weg zu Ihrer neuen Stelle erleichtern und Sie sogar zum Erfolg bringen.

Stärken beweisen und hervorheben
Bewerber aus der Gruppe Ü50 sollten sich ihrer Stärken absolut bewusst sein. Als Bewerber muss man aufzeigen, welche Vorteile sich durch ihre Anstellung ergeben. Dies gilt nicht nur für alle Bewerber, sondern insbesondere auch für Arbeitnehmer ab 50 Jahre, denn aufgrund der langjährigen Berufs- und Lebenserfahrung sind genügend starke Argumente vorhanden, welche hervorgehoben werden sollen. Oder Sie erstellen über sich ein Kompetenzmodell und verschaffen sich somit eine klare Vorstellung Ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten. Als Bewerber 50 plus ist man mit den beruflichen Anforderungen meist gut vertraut und vermutlich auch familiär bereits gefestigt respektive diesbezüglich wesentlich flexibler als jüngere Mitbewerber.

Vorteile der über 50jährigen im Arbeitsumfeld
Die Frage kann relativ einfach beantwortet werden: Qualitätsbewusstsein durch Erfahrung und Know-how. Ältere Arbeitnehmer sind oftmals loyaler, verstehen komplexe Zusammenhänge besser und sind zuverlässiger sowie verantwortungsbewusster. Dies bringt eine höhere Lebens- und Berufserfahrung einfach mit sich. Entscheidungen werden meist gründlicher überlegt. Sozialkompetenz, Urteilsvermögen und sogar Termintreue werden ebenfalls eher älteren Arbeitnehmern zugesprochen. Erfahrenere Arbeitnehmer kommunizieren auf Augenhöhe und wissen was sie wollen und was nicht. Durch die Erfahrung ergibt sich auch die Möglichkeit, einen Wissenstransfer an Nachwuchskräfte zu tätigen. Ebenso sollte überzeugend dargestellt werden, dass man neuen Technologien gegenüber offen ist. All dies sind weitere wichtige Aspekte, um sich der Ausgangslage bewusst zu werden und die Stärken zu definieren.

Ohne Bescheidenheit gegen Vorurteile
Man darf sich niemals nur auf sein Alter konzentrieren. Negativen Vorurteilen kann mit praktischem Wissen begegnet werden. Das Hervorheben von Meilensteinen im Berufsleben ist dabei ratsam. Die wichtigsten Stationen und Erfolge zählen, als länger Zurückliegendes ist nicht detailliert zu erwähnen. Das Zeigen von gesundem Selbstbewusstsein kann ebenfalls helfen. Hier gilt es Eigenwerbung, also sogenanntes Selbstmarketing zu betreiben. Und wenn eine Unternehmung doch nur junge Mitarbeiter will, dann sollte man darauf gelassen reagieren. Wenn man seine Stärken kennt, dann fällt das leichter.

Vorbereitet sein
Der Bewerbungsprozess kann auch negative Momente enthalten. Auch wenn es mit der Stellensuche etwas länger dauern sollte: Sich in die Opferrolle zu begeben und Selbstmitleid zu haben sind sehr kontraproduktiv. Daher gilt sich optimal auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten. Das hervorheben von Stärken, ohne dabei Überheblich zu sein, macht schon sehr viel aus. Gerade Unternehmen, die auf das Know-how der „silbernen Generation“ setzen und sich dem Fachkräftemangel bewusst sind, werden genau da ansetzen. Deswegen muss sich niemand mit seiner Bewerbung vor ähnlich qualifizierten Bewerbern verstecken, denn gerade mit der erworbenen Fachkompetenz und der länger dauerndes Berufserfahrung kann man aus der Menge herausstechen. Da gilt es aber auch, sich optimal auf ein Job-Interview vorzubereiten.

Mit jüngerm Vorgesetzten umgehen
Zu definieren bleibt die Frage, ob jemand auch mit einem jüngeren Vorgesetzten umgehen kann. Wenn ein Arbeitnehmer über 50 Jahre keine Anweisungen oder Anregungen mehr annehmen kann, wird die Dynamik innerhalb eines Teams oder einer Firma empfindlich gestört. Gerade der Bewerber kann hier aber durch Erfahrung und Sozialkompetenz ansetzen und einen jüngeren Vorgesetzten unterstützen, sofern dieser bereit dazu ist. Ein Arbeitgeber muss erkennen können, wo er von einer Anstellung profitieren kann. Und als “alter Hase” gibt es hier viele Vorteile.

“Out of the box” denken
Wenn man sich nur auf das bisherige Arbeitsumfeld konzentriert, bleiben viele weitere Türen verschlossen. Denn auch ein kompletter Jobwechsel und ein Quereinsteiger-Job ab 50 ist durchaus noch möglich. Dabei sollten im Vorfeld alle in Frage kommenden Arbeitsfelder geprüft werden. Und wie sieht es mit Jobsharing, Teilzeit oder Jobsplittung aus? Ist auch Selbständigkeit eine Option? Diese Fragen dürfen auf keinen Fall ausser Acht gelassen werden.

Nicht vergessen gehen dürfen ausserdem die folgenden Themen, damit man zeigen kann, dass man mit der Zeit geht:

  • Sich neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen zeigen
  • Das Auftreten mittels Kleidung, Frisur und Körpersprache überprüfen
  • Einen modernen Lebenslauf und Motivationsschreiben entwickeln (lassen)
  • Netzwerke aktivieren. Dies ist immer ratsam und birgt viele Chancen.
Fazit

Es gibt kein Geheimrezept, das eine erfolgreiche Bewerbung und Stellensuche garantiert. Auch wenn viele Fachleute und Anlaufstellen genau das versprechen. Selbstverständlich gibt es Eckpunkte, wie die vorgenannten, welche befolgt werden sollen. Da aber ein Mensch betroffen ist, muss dies individuell geschehen.

Man sollte daher nie davor zurückschrecken, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, gerade bei der Stellensuche über 50. Dabei können sehr wichtige Erkenntnisse und Einsichten gewonnen werden, welche im Bewerbungsprozess und im weiteren Berufsleben äusserst hilfreich sind.  Vor allem in den Bereichen CV-Gestaltung, Interviewtraining, dem Herausarbeiten von Stärken und Schwächen und dem persönlichen Auftreten ist eine externe Sicht sehr von Vorteil, damit die Aussenwirkung überprüft werden kann. Es muss aber sichergestellt werden, dass die Beratung durch Fachkräfte und Berater erfolgt, welche die persönlichen Faktoren miteinbeziehen. Denn nur so kann eine Stellensuche auch wirklich erfolgreich sein.

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